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Donnerstag, 3. November 2016

US-Wahlen: Swing When You’re Winning

Die US-Wahlen entscheiden sich in den (grauen) Swing-States.
Als ‚October Surprise‘ bezeichnet man in den USA solche Ereignisse, die kurz vor den Präsidentschaftswahlen das Potenzial haben, den Wahlausgang entscheidend zu beeinflussen. Auch in diesem Jahr scheint das Rennen um die Präsidentschaft auf den letzten Metern überraschend spannend zu werden.

Sollte Donald Trump in fünf Tagen zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden, wird er seinen Sieg vor allem den neuerlichen Ermittlungen des FBI gegen Hillary Clinton verdanken. Die Ankündigung von Behördenchef James Comey, dass die Bundespolizei weitere Clinton-Mails prüfen will, hat der darbenden Trump-Kampagne wieder neues Leben eingehaucht.

Bis vor wenigen Tagen sah der republikanische Präsidentschaftskandidat bereits wie der sichere Verlierer aus. Mit den neuen Ermittlungen rückt der mediale Fokus von Trumps Skandalen erstmals auf Hillary Clintons Probleme. Während sich die Amerikaner nun daran erinnern, weshalb Sie die Demokratin nicht mögen, hört man von Trump derzeit ungewohnt wenig Erschreckendes.


Es ist nicht das erste Mal, dass sich kurz vor den Wahlen Überraschendes ereignet. Zu den bekannteren Beispielen eines ‚October Surprise‘ zählt die Enthüllung über eine Haftstrafe, die George W. Bush im Jahr 1976 wegen Trunkenheit am Steuer absitzen musste, kurz vor der Präsidentschaftswahl im Jahr 2000, genauso wie der Hurrikan Sandy, der Präsident Obama im Jahr 2012 die Chance gab, sich kurz vor der Wahl als pragmatischer Krisenmanager zu profilieren.

Die bisherigen Beispiele zeigen jedoch auch: Es gibt keine Zwangsläufigkeit, dass ein ‚October Surprise‘ den Ausgang der Wahl entscheidend beeinflusst. Auch in diesem Jahr muss das nicht so sein. Zwar kann sich Donald Trump über die neuesten nationalen Umfrageergebnisse freuen, aber die Wahl wird eben auf bundesstaatlicher Ebene entschieden.
Faktisch besteht die Präsidentschaftswahl aus 50 einzelnen Wahlen in den 50 Bundesstaaten, in denen (bis auf Maine und Nebraska) das Prinzip Winner-take-all gilt. Um die für die Präsidentschaft nötigen 270 Wahlmännerstimmen zu erreichen, müssen Bundesstaaten gewonnen werden. Dadurch, dass dem jeweiligen Sieger alle Wahlmännerstimmen eines Bundesstaates anheimfallen, beschränkt sich der größte Teil des Wahlkampfes auf die sogenannten Swing States, in denen sich beide Kandidaten Chancen auf die Mehrheit ausrechnen.

Dazu zählen in diesem Jahr unter anderem Florida (29 Wahlmänner), Ohio (18), Georgia (16), North Carolina (15), Arizona (11), Wisconsin (10), Nevada (6), Iowa (6) und New Hampshire (4). In diesen Staaten wird sich die Präsidentschaftswahl entscheiden.

Hillary Clinton kommt dabei zugute, dass die bevölkerungsreichen Bundesstaaten im Nordosten und an der Westküste, in denen entsprechend viele Wahlmännerstimmen vergeben werden, seit Jahrzehnten fest in demokratischer Hand sind. Die Hochburgen der Republikaner, die sich im Süden und im Zentrum der USA befinden, verfügen hingegen über eine deutlich geringere Anzahl an Wahlmännern.

Donald Trump muss deshalb fast alle Swing States für sich entscheiden während Hillary Clinton schon ein Sieg in North Carolina oder Florida reichen könnte. Dabei dürften ihr die vielen Briefwähler nutzen, die ihre Stimme schon vor der jüngsten FBI-Entscheidung abgegeben haben.

Hillary Clinton bleibt damit Favoritin. Ob sie dieser Rolle tatsächlich gerecht werden kann, wird sich am 8. November schon früh abzeichnen. Die wichtigsten Swing States liegen an der Ostküste, wo als erstes gewählt wird.

Alle möglichen Wahlausgänge kann man unter 270towin.com durchspielen. Aktuelle Umfragedaten aus den einzelnen Bundesstaaten gibt es zum Beispiel hier.

tl;dr: Egal ob Clinton oder Trump: Wer die amerikanische Präsidentschaftswahl gewinnen will, muss die Swing States für sich entscheiden. 

Donnerstag, 9. Juni 2016

US-Vorwahlen: Supercalifragilisticexpialidelegates

Es ist soweit: Die beiden großen amerikanischen Parteien haben ihre Präsidentschaftskandidaten gefunden. Offiziell nominiert sind sie zwar noch nicht - die Conventions finden bei beiden Parteien erst Ende Juli statt - aber dies ist nur noch eine Formfrage. Sowohl Donald Trump als auch Hillary Clinton haben die nötige Anzahl von Delegiertenstimmen zusammen.
  
Während Trumps 16 Mitbewerber nach und nach aufgegeben haben, schlägt sich Hillary Clinton immer noch mit Bernie Sanders herum. Dass dieser seine Kandidatur noch nicht vollends aufgegeben hat, liegt an den Superdelegierten.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Parteitagsdelegierten: Pledged Delegates und Unpledged Delegates. Die Ersteren - die den größten Teil ausmachen - sind verpflichtet, für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen. Die Unpledged Delegates sind in ihrer Entscheidung frei. Zu ihnen gehören die sogenannten Superdelegierten. Diese ungebundenen Delegierten gibt es jedoch nur bei den Demokraten.

Es sind meist aktuelle oder ehemalige Mandatsträger wie Abgeordnete, Gouverneure, Parteivorsitzende. Es gibt diese Delegierten seit 1982. Nach der Wahlniederlage von Jimmy Carter gegen Ronald Reagan im Jahr 1980 wollte man so den Einfluss der Partei auf die Kandidatenkür verstärken. Die Hoffnung dahinter war, dass auf diese Weise mehr Kandidaten mit guten Wahlchancen nominiert werden könnten.

Zwar gibt es auch in der republikanischen Partei Unpleged Delegates, aber dort ist ihr Einfluss wesentlich geringer. Auch sonst unterscheiden sich die Vorwahlsysteme der beiden Parteien in einigen Punkten, die dem Geist beider Parteien entsprechen.

Während es bei den Demokraten einige verbindliche, bundesweit einheitliche Regeln gibt, überlassen die Republikaner diese Regelungen den Einzelstaaten. Das führt dazu, dass es bei ihnen fast 50 verschiedene Vorwahlregelungen gibt. Einige Staaten geben alle Delegierten, andere die meisten Delegierten an den Gewinner. Andere verteilen diese dem Verhältnisprinzip oder schauen wer in den einzelnen Kongresswahlbezirken vorne lag.

Währenddessen sind alle demokratischen Vorwahlen, egal ob Primary oder Caucus, Verhältniswahlen. Ein Wahlsystem, das klare Mehrheiten unter den Delegierten nicht gerade fördert. Dies führt dazu, dass Hillary Clinton die demokratischen Vorwahlen zwar dominiert hat - und am vergangenen Dienstag die wichtige Vorwahl in Kalifornien für sich entscheiden konnte – dennoch nicht noch klarer vor Bernie Sanders liegt.

Ihre 2.203 Pledged Delegates reichen alleine nicht um sich die Nominierung zu sichern. Nur mit den 574 Superdelegierten, die sich bereits für sie ausgesprochen haben, kommt sie über die für die Nominierung notwendige magische Grenze von 2.383 Stimmen. Bernie Sanders konnte zusätzlich zu seinen 1.828 Pledged Delegates bislang nur 48 Superdelegierte von sich überzeugen.

Doch theoretisch könnten sich Clintons Superdelegierte natürlich noch umentscheiden und für Sanders stimmen. Theoretisch wohlgemerkt... Doch auch bei Bernie Sanders scheint die Hoffnung zuletzt zu sterben.

tl; dr: Was sind eigentlich diese Superdelegierten, wegen denen Bernie Sanders noch im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ist? Und wieso gibt es die bei den Republikanern nicht?

Dienstag, 3. Mai 2016

US-Vorwahlen: Indiana wählt

Für Ted Cruz geht es bei der Vorwahl in Indiana um Einiges.
Heute Nacht wählt Indiana und Ted Cruz steht vor einem Dilemma. Er hat alles getan, um zu gewinnen. Er hat eine Verabredung mit seinem Mitbewerber John Kasich getroffen, der seinen Wahlkampf in diesem Staat zu seinen Gunsten ruhen lies. Er hat mit Carly Fiorina eine Vizepräsidentschaftskandidatin benannt, um seiner Kampagne zusätzlichen Schwung zu verleihen, eine Personalentscheidung, die man üblicherweise erst vornimmt, wenn man der offizielle Kandidat der Partei ist. Er hat alles dafür getan, damit Indiana wie der Ort seines finalen Showdowns gegen Donald Trump erscheint.

Aber er hat dabei auch ganz nebenbei den Eindruck erweckt, einen Sieg in Indiana unbedingt nötig zu haben. Sollte er verlieren, so der Eindruck, wäre das Schicksal seiner Kampagne besiegelt. Zwar ist dem ganz und gar nicht so, aber in einer Medienlandschaft in der Eindrücke oft wichtiger als Realitäten sind, ist das ein echtes Problem für den Texaner. Zudem die Umfragen Trump - trotz aller Anstrengungen - derzeit fast ausnahmslos mit deutlichem Vorsprung und etwa 40 Prozent vorne sehen. Fast, denn in einer einzigen Umfrage von IPFW ist es Cruz, der deutlich führt. 

Faktisch kann Cruz auch mit einer Niederlage in Indiana leben, solange Donald Trump kein übergroßer Sieg gelingt. Denn dem Senator geht es nur noch darum zu verhindern, dass Trump die für seine Nominierung nötigen 1.237 Delegiertenstimmen zusammen bekommt. Derzeit besitzt Trump 956, in Indiana kann er ihnen maximal 57 hinzufügen. Nach dem Winner-Take-Most-Prinzip gehen im Hoosier-State 30 Delegierte an den Gesamtsieger und jeweils drei an die Sieger in den neun Kongresswahlbezirken.

Wenn Cruz zumindest dort punkten könnte, darf er weiter darauf hoffen die Parteitagsdelegierten auf einer Brokered Convention von sich zu überzeugen. Eine Chance die Nominierung der Republikaner direkt zu erringen, hat er bereits seit New York nicht mehr.

Endgültige Klarheit, ob der Parteitag entscheiden muss, wird wohl in jedem Fall erst am 07. Juni bei der Vorwahl in Kalifornien, bei der stolze 172 Wahlmännerstimmen vergeben werden, bestehen. Darauf zielte auch Cruz' Vizepräsidentenwahl. Die ehemalige Hewlett-Packard-Managerin Carly Fiorina, die sich selbst als republikanische Präsidentschaftskandidatin beworben hatte, kommt aus dem Golden State. Zudem zielt Sie auf Trumps größte Schwachstelle: Frauen. Nicht nur weil sie selber eine ist, sondern auch weil Sie Trump bei diesem Thema in einem der zahlreichen Fernsehduelle geradezu vorgeführt hat.

Ob die Nominierung von Carly Fiorina jedoch für den gewünschten Rückenwind bei der Cruz-Kampagne führen kann, wird nicht unwesentlich vom Ausgang dieser Vorwahl abhängen. Verliert Cruz, wird es sehr schwer, Trump noch aufzuhalten. Immer mehr Hoffnungen dürften dann auch auf John Kasich ruhen.

tl;dr: Sollte Ted Cruz die heutige Vorwahl in Indiana verlieren, wird es schwierig Donald Trump auf seinem Weg zur republikanischen Präsidentschaftskandidatur noch aufzuhalten.

Dienstag, 26. April 2016

US-Vorwahlen: New York, New York

Knapp daneben: Kein Kopf-an-Kopf-Rennen.
New York ist Clinton Country. Die ehemalige Außenministerin hat die dortigen demokratischen Vorwahlen am vergangenen Dienstag haushoch gewonnen. Ausgerechnet Clinton County ist hingegen Sanders Country. In diesem ländlichen Teil des Empire States gewann der Senator aus Vermont mit 73,5 Prozent der Stimmen. Der Staat New York ist eben viel größer als New York City. In seiner Verschiedenheit ist er ein Spiegelbild der bisherigen demokratischen Vorwahlen. Auch hier gewinnt Sanders im weißen, ländlichen Amerika, während Clinton die urbanen und bunten Wahlkreise für sich entscheidet. 

Schaut man sich die Ergebnisse im Staat New York an, sind die Countys in der Fläche zwar fast komplett an Bernie Sanders gegangen, aber genutzt hat es ihm nichts. Denn während ihm im besagten Clinton County 4.301 Stimmen für einen klaren Sieg reichten, ging er in den großstädtischen Wahlbezirken, wie in County New York, gnadenlos unter. Dort, im Herzen Manhattans, gewann Hillary Clinton fast doppelt so viele Stimmen wie Sanders: Stolze 177.496.

Die große Differenz zwischen Fläche und Ballungszentren hatte Dienstagnacht offenbar auch die Tagesschau verwirrt. Per Pushmitteilung meldete sie ein Kopf-an-Kopf-Rennen, während amerikanische Medien wie Politico am nächsten Morgen titelten: Clinton versenkt Sanders.

In der Tat dürfte Sanders die Niederlage am Hudson besonders schmerzen. In den vergangenen Wochen hatte er sieben von acht Vorwahlen für sich entschieden und ist in landesweiten Umfragen bis auf zwei Prozentpunkte an Clinton herangerückt. Bei den Delegierten zieht ihm Clinton nun durch ihre Siege in den großen Vorwahlstaaten aber beinahe uneinholbar davon. Am Ende entscheidet die Mathematik. 

Mathematisch gescheitert ist seit der New Yorker Vorwahl auch ein Republikaner: Ted Cruz, der zuletzt Utah, Wisconsin und Colorado für sich entscheiden konnte, ging als Dritter bei der Delegiertenvergabe leer aus. Selbst wenn er in den kommenden Wochen alle noch zu vergebenden Delegiertenstimmen holt, kann er die für die Nominierung nötige Anzahl von 1.237 nicht mehr erreichen. Seine Kampagne wird trotzdem weitergehen.

Cruz kämpft nun aber nicht länger für seine eigene Mehrheit, sondern gegen eine für Trump. Die gleiche Strategie verfolgt bereits seit Wochen John Kasich, der am Dienstag immerhin drei Delegierte für sich gewinnen konnte. Er schlug Trump ausgerechnet in dessen Nachbarschaft: New York County ging an Kasich.

Das gemeinsame Ziel der beiden letzten verbliebenen Verfolger hat sich nun in einem konkreten Bündnis manifestiert: Während Kasich seinem Rivalen Cruz bei der wichtigen Vorwahl in Indiana den Vortritt lassen möchte, wird dieser Kasich in Oregon und New Mexico unterstützen. Ob dieses Zweckbündnis wirkt, bleibt hingegen abzuwarten. Es gibt die Befürchtung, dass diese zusätzliche Polarisierung eigentlich nur Donald Trump nützt.

Bei den heutigen Vorwahlen in Connecticut, Delaware, Maryland, Pennsylvania und Rhode Island gilt die Abmachung zwischen Cruz und Kasich zudem noch nicht. Es wird jedoch spannend sein, zu sehen, ob die Wähler bereits darauf reagieren.

tl;dr: Clinton und Trump haben die Vorwahlen in New York gewonnen. Was das für das Rennen um die Präsidentschaftskandidaturen bedeutet und wie es nun weitergeht. 

Samstag, 9. April 2016

US-Vorwahlen: Trumps Problem

Am 18. Juli tritt in Cleveland der republikanische Parteitag zusammen. Die Aufgabe der 2.472 Delegierten: Einen Präsidentschaftskandidaten nominieren. Einer der Kandidaten muss dazu bei den Vorwahlen mindestens 1.237 von ihnen hinter sich versammeln.

Aber so wie es derzeit ausschaut, wird es dazu nicht kommen. Obwohl Donald Trump die bisherigen Vorwahlen klar dominiert und die mit Abstand meisten Delegierten für sich gesammelt hat. All das könnte nicht reichen. Denn Trump hat trotz dieser Siegesserie eben "nur" 743 Delegierte gewonnen, was etwa 46 Prozent entspricht. Um die magische Zahl von 1.237 noch zu erreichen, müsste er bei den kommenden Vorwahlen etwa 60 Prozent erreichen.

Doch woher sollten diese zusätzlichen Stimmen für Trump kommen? Schließlich hat er es nicht nur geschafft, mehr Menschen als die anderen für sich zu begeistern, sondern auch mehr Menschen als alle anderen gegen sich aufzubringen. In letzten Umfragen hatten nur 29 Prozent der Wähler eine positive Meinung von ihm, während ihn rekordverdächtige 63 Prozent ablehnten. Trump zahlt nun den Preis für seinen konfrontativen Wahlkampf.

Für Trumps Wahlkampf bedeutet das eine ernste Krise. Schließlich dürfen seine Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur rapide sinken, wenn er auf dem Parteitag keine Mehrheit im ersten Wahlgang hinter sich versammeln kann. In den weiteren Wahlgängen dürften die Delegierten dann mehr und mehr nach eigener Präferenz statt nach Verpflichtung abstimmen. Für Trump, der im Parteiestablishment kaum Anhänger hat, wäre das ein Drama. 

Da Trump aber auch rechnen kann und die Wahrscheinlichkeit einer solchen Brokered Convention groß ist, hat er mit Paul Manafort nun einen eigenen Manager für den Kampf um die Delegierten eingestellt. Eine Personalie, die Trumps Dilemma auch der Öffentlichkeit augenscheinlich macht.

Doch auch schon vorher befand sich seine Wahlkampagne in schwerer See. Ein festgenommener Wahlkampfmanager, unbedachte Äußerungen zum Thema Abtreibung und wilde Versprechungen zum Thema Staatsschulden hatten ihn in diese Situation gebracht. Die darauffolgende Vorwahlniederlage in Wisconsin dürfte jedoch nur zum Teil auf diese Fehler zurückzuführen sein. Viel entscheidender dürfte die Einigkeit sein, mit der ihn die republikanische Partei mittlerweile bekämpft.

In Wisconsin profitierte davon abermals Ted Cruz, der Trump auf diese Weise schon in Utah schlagen konnte. Dabei galt er selbst vor einigen Wochen noch als ein Hardliner, der innerhalb der Partei nicht mehrheitsfähig sei. Die aktuelle Situation brachte in dieser Woche Charles Lane von der Washington Post auf den Punkt: "Wir wissen nun wie groß das Donald-Trump-Problem der Republikaner ist: So groß, dass einige in der Partei nun ernsthaft Ted Cruz für die Lösung halten."

Fest steht zumindest, dass auch Cruz sich die Nominierung nur noch theoretisch vor dem republikanischen Parteitag sichern kann. Stimmanteile von über 90 Prozent, die er dafür bei den kommenden Vorwahlen bräuchte, wird er nicht erreichen. Ob die neue Freundschaft zwischen Cruz und der republikanischen Partei aber auch auf einer Brokered Convention trägt, bleibt abzuwarten.

Fest steht: Auf dem Parteitag in Cleveland werden die Karten neu gemischt. Der Sieger könnte durchaus eine Überraschung sein. Die Huffington Post zumindest hat sich schon festgelegt: Sie tippt auf John Kasich.

tl;dr: Donald Trumps Wahlkampf befindet sich in einer ernsten Krise. Er zahlt nun den Preis für seinen konfrontativen Wahlkampf.

Dienstag, 5. April 2016

Wisconsin: Wackelt Trump?

Heute der Favorit: Senator Ted Cruz. (Foto: G. Skidmore)
Nachdem in den vergangenen beiden Wochen keine Vorwahlen in den USA stattgefunden haben, geht es heute bei Demokraten und Republikanern in Wisconsin weiter. Beim Zweikampf der Demokraten werden 96 Delegierte vergeben, die, wie immer bei demokratischen Vorwahlen, proportional verteilt werden. Bei den Republikanern, die in jedem Vorwahlstaat eigene Regeln haben, ist die Sache komplizierter. Hier erhält der Sieger der Vorwahl 18 der 42 Delegierten. Wer in einem der acht Kongresswahlkreise des Staates vorne liegt, gewinnt jeweils drei Delegierte. Siegt einer der drei verbliebenen Kandidaten mit deutlicher Mehrheit im ganzen Staat, könnte er auf diese Weise alle Delegierten ergattern.

Beste Chancen darauf hat in dieser Nacht Ted Cruz. Der texanische Senator könnte Donald Trump eine empfindliche Niederlage beibringen und einen Beleg dafür liefern, dass er Donald Trump doch noch einholen kann - auch wenn er dafür bei den kommenden Vorwahlen etwa 90 Prozent der noch zu vergebenden Delegierten gewinnen müsste.

Seine Hoffnung dürfte sich auch darauf stützen, dass Donald Trump in den vergangenen beiden Wochen auffällig aus dem Tritt gekommen ist. Sein Kampagnenmanager wurde in Florida verhaftet, weil er eine Reporterin zu hart angefasst hatte. Für einen Retweet, der ein schreckliches Foto von Heidi Cruz - der Ehefrau seines Konkurrenten - zeigt, geriet Trump schwer in die Kritik und musste einen Fehler einräumen. In einem Interview forderte er, dass Frauen, die nach einem Verbot eine Abtreibung vornehmen, bestraft werden sollten. Nach einem öffentlichen Aufschrei erklärte er, dass er in einem solchen Fall natürlich nur die Ärzte bestrafen wolle. In Wisconsin wird sich nun zeigen, ob diese Vorfälle Donald Trump schaden können. Bisher prallten solche Dinge stets an ihm ab.

Der Grund für Trumps wachsende Nervosität dürfte der fortgesetzte Dreikampf in der Grand Old Party sein. Um seine Nominierung vor dem republikanischen Parteitag zu sichern, muss er knapp 60 Prozent der verbliebenen Delegierten für sich gewinnen. Seine Stimmanteile lassen daran Zweifel zu. Dies ist auch der Grund, weshalb John Kasich sich noch im Rennen befindet. Der Gouverneur von Ohio kann die direkte Nominierung nicht mehr erreichen, auch wenn er alle verbliebenen Delegierten gewinnen würde. Er will weiterhin dafür sorgen, dass es auch den anderen Kandidaten nicht gelingt. Wenn dann der Parteitag entscheiden muss, rechnet er sich Chancen aus.

Auf der demokratischen Seite des Rennens stehen die Chancen für Bernie Sanders gut, einen weiteren Vorwahlsieg einzufahren. Die vielen weißen und jungen Menschen, bei denen Sanders stets gut abschneidet, könnten ihm den Sieg in Wisconsin bringen. Dass es sich um eine offene Vorwahl handelt, an der jeder teilnehmen darf, spielt ihm zudem in die Karten. Denn bei den registrierten Demokraten gewinnt üblicherweise Hillary Clinton.

Doch selbst wenn Sanders an den Großen Seen gewinnt, wird es an Hillary Clintons Vorsprung im Delegiertenrennen wenig ändern. Grund ist die Verteilung der Delegierten nach Prozent. Clinton dürfte deshalb längst schon an den nächsten richtig großen Preis denken: In New York wird am 19. April gewählt.

tl;dr: Nachdem in den vergangenen beiden Wochen keine Vorwahlen in den USA stattgefunden haben, geht es heute bei Demokraten und Republikanern in Wisconsin weiter.

Mittwoch, 23. März 2016

US-Vorwahlen: Drei Staaten im Westen

Bernie Sanders kann auf Siege in zwei Bundesstaaten hoffen.
Es ist wieder Dienstag und auch in dieser Nacht finden in Amerika Vorwahlen statt. Am sogenannten Western Tuesday wird heute in drei Bundesstaaten über die Präsidentschaftsbewerber von Republikanern und Demokraten abgestimmt. In Arizona und Utah wählen beide Parteien, die Demokraten zusätzlich in Idaho. Folgendes wird dabei in den Staaten wichtig werden:

1. Idaho: Hier wählen nur die Demokraten. Da es sich, wie in Utah, um einen Staat mit großer weißer Bevölkerungsmehrheit handelt, werden Bernie Sanders hier gute Chancen zugeschrieben. Allerdings werden hier die wenigsten Delegierten des demokratischen Wahltages vergeben. 

2. Utah: Während Bernie Sanders in den demokratischen Umfragen auch hier vorne liegt, sollte es bei den Republikanern besonders spannend werden. Das liegt an den speziellen Regeln der republikanischen Vorwahl: Zunächst handelt es sich um eine geschlossene Vorwahl, nur Republikaner dürfen an ihr teilnehmen. Das schadet Trump, der seine Wähler vor allem unter Unabhängigen rekrutiert, massiv. In den letzten Umfragen liegt er mit nur 11 Prozent auf dem letzten Platz der drei Bewerber. Ganz vorne rangiert Ted Cruz, der die 50 Prozent-Marke knacken könnte. Würde ihm dies gelingen, könnte er alle Delegiertenstimmen des Staates einheimsen. Bleibt er unter dieser Grenze, werden die Delegierten verteilt. Je nach Wahlergebnis nicht nur an Kasich, für den Utah die einzige Chance ist in dieser Nacht Delegierte zu gewinnen, sondern auch an Trump.

3. Arizona: Für beide Parteien ist Arizona heute Abend der größte Preis. Hier werden die meisten Delegierten vergeben. Laut Umfragen führt bei beiden Parteien der Frontrunner. Sollte Hillary Clinton hier Bernie Sanders schlagen, könnte sie Niederlagen in Idaho und Utah wegstecken. Ein Sieg von Sanders wäre hingegen eine kleine Sensation. Ebenso überraschend wäre es, wenn sich bei den Republikanern nicht Donald Trump durchsetzt. In den Umfragen führt er mit weitem Abstand. Für ihn wichtig: Die 58 Delegierten in Arizona werden nach dem Winner-Take-All-Prinzip verteilt. Es wäre ein weiterer Schritt beim Versuch die für die Nominierung nötigen 1.237 Delegiertenstimmen zu erreichen.

tl;dr: Auch in dieser Nacht finden in Amerika Vorwahlen statt. Am Western Tuesday wird in drei Bundesstaaten über die Präsidentschaftsbewerber von Republikanern und Demokraten abgestimmt.

Samstag, 19. März 2016

US-Vorwahlen: Wie geht es weiter?

Vorwahlsiege von Clinton (blau) und Sanders (grün).
Der vergangene Dienstag hat sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern für viel Klarheit gesorgt. Hillary Clinton setzt sich im demokratischen Rennen weiter ab. Bei den Republikanern gibt Marco Rubio auf und überlässt mit John Kasich einem anderen gemäßigten Kandidaten die Bühne. Ob Trump aber noch aufgehalten werden kann, scheint fraglicher denn je.

Die Demokraten haben am Dienstag in fünf Bundesstaaten gewählt. In drei dieser Staaten - darunter mit Illinois und Ohio in den zwei Staaten, die zum sogenannten Rust-Belt gehören und deshalb für die Demokraten besonders wichtig sind - hatte man gedacht, dass Bernie Sanders für Überraschungen sorgen könnte. Geschafft hat er es in keinem Staat, alle fünf Siege gingen an Hillary Clinton.

Das ist für Sanders ein harter Schlag, nicht nur weil sich Hillary Clinton bei der Anzahl der Delegiertenstimmen immer mehr von ihm absetzt. Entscheidender ist vielmehr, dass Sanders es nicht nur weiterhin nicht schafft, bei Schwarzen und Latinos zu punkten und deshalb in den Südstaaten - wie jetzt in North Carolina und Florida - keine Chance gegen Clinton hat, sondern dass sie ihn nun auch in den wichtigen Rust-Belt-Staaten deutlich schlägt, in denen seine Botschaft eigentlich verfangen sollte. 


Diese ehemals von Schwerindustrie geprägten Rost-Staaten im Bereich der Großen Seen sind für die Demokraten unheimlich wichtig. Anders als in den Südstaaten, wo Clinton bisher gewinnen konnte, brauchen die Demokraten diese Staaten auch bei den Präsidentschaftswahlen auf ihrer Seite. Im Süden populär zu sein, ist für Demokraten zwar gut bei den Vorwahlen, aber bei den Präsidentschaftswahlen unerheblich, denn schließlich gewinnen dort seit Jahrzehnten stets die Republikaner.

Weshalb Sanders seine Bemühungen trotz dieser empfindlichen Niederlagen nicht beendet, liegt an der Form seiner Graswurzelkampagne. Da er nicht auf große Spender angewiesen ist, die nun ihre Zuwendungen einfrieren würden, sondern auf viele kleine Unterstützer setzt, dürfte ihm das Geld auch weiterhin nicht so schnell ausgehen. Und auch wenn ihm nur noch ein Wunder - oder eine FBI-Ermittlung gegen Hillary Clinton - zur demokratischen Präsidentschaftskandidatur verhelfen kann, hat Sanders zumindest noch eine Botschaft zu verkünden. Je länger er dabei bleibt, um so mehr wird er auch Hillary Clinton nach links ziehen.

Bei den Republikanern gibt es seit Dienstag nur noch drei Kandidaten. Nachdem er in seinem Heimatstaat Florida deutlich gegen Donald Trump verloren hatte, beendete Marco Rubio noch am Wahlabend seine Kampagne. Nach seinem Debattendebakel in New Hampshire konnte er sich nur kurz erholen, sein Ausflug auf Trumps Niveau war dann sein finaler Fehler. Erst bei seiner Erklärung zum Kampagnenende schien er wieder ganz bei sich zu sein.

Die Hoffnungen des Parteiestablishments ruhen spätestens nun auf John Kasich. Der Gouverneur von Ohio hat seinen Heimatstaat deutlich vor Trump gewonnen und ihm so am Dienstag als einziger einen Sieg streitig gemacht. Kasich muss trotzdem darauf hoffen, dass es zu einem Parteitag ohne klare Mehrheiten kommt, denn trotz seines Sieges hat er auch rechnerisch keine Chance mehr, genug Delegierte für eine direkte Nominierung zu gewinnen.

Anders Ted Cruz: Er kann zwar die magische Grenze von 1.237 Delegierten noch aus eigener Kraft erreichen, aber sein mäßiges Abschneiden am vergangenen Dienstag lässt diese Möglichkeit sehr theoretisch erscheinen. Dass John Kasich weiter im Rennen bleibt und verhindert, dass Cruz auch moderatere Republikaner hinter sich scharen kann, tut sein Übriges.

Jedoch wird diese fortwährende Zersplitterung langsam auch zu einem Problem für Donald Trump. Zwar wird ihm in die Karten spielen, dass noch sechs Staaten wählen, in denen die Delegierten nach dem Winner-Take-All-Prinzip vergeben werden und in fünf weiteren Staaten das Winner-Take-Most-System Anwendung findet, aber auch für ihn könnte es am Ende nicht reichen. Bisher sammelt er zwar klare Mehrheiten, aber bleibt dabei fast immer unter 50 Prozent. 

Sollte auch er bis zum Parteitag im Juli in Cleveland keine Mehrheit der Delegierten hinter sich haben, entscheidet eine sogenannte Brokered Convention. Dann steigen die Chancen für Kandidaten, die weniger polarisieren als Trump und Cruz. Darauf hofft John Kasich, dem dann gute Chancen zugeschrieben werden. Davor fürchtet sich Trump, weshalb er nun proklamiert, dass ihm die Nominierung auch dann zustehe, wenn er nur eine relative Mehrheit der Delegierten hinter sich habe. Dass seine Sprecherin im Falle seiner Nichtwahl die Möglichkeit von Krawallen in Aussicht stellt, ist derzeit der Aufreger im republikanischen Lager.

Aber bis zum Parteitag ist es noch ein langer Weg. Erst in den kommenden Wochen wird sich zeigen, in welche Richtung sich der neue Dreikampf entwickelt. Klar ist: Auch John Kasich wird nun härter attackiert werden. Wenn er klug beraten ist und seinerseits weiterhin auf persönliche Gegenangriffe verzichtet, könnte er sich als das Gegenteil von Trump profilieren. Dies könnte ein Grund sein, weshalb Trump derzeit so wirkt, als wolle er den Kampf gegen Kasich Ted Cruz überlassen. Unklug ist das nicht, denn auch der Texaner braucht dringend einen Sieg vor dem Parteitag und Kasich steht ihm dabei im Weg. Dass die Gegnerschaft zwischen den beiden Verfolgern bislang nicht ausgebrochen ist, dürfte jedoch an Trump selbst liegen: Seine mediale Dominanz ist einfach zu groß.

tl;dr: Der vergangene Dienstag hat sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern für viel Klarheit gesorgt. Hillary Clinton setzt sich im demokratischen Rennen weiter ab. Bei den Republikanern ist fraglich, ob Trump noch aufgehalten werden kann.

Dienstag, 15. März 2016

US-Vorwahlen: Der Tag der Entscheidungen

Hier fallen heute die Entscheidungen.
Auch wenn der Super Tuesday schon zwei Wochen zurück liegt, erst an diesem Dienstag wird es bei den Vorwahlen in den USA so richtig spannend. Gewählt wird heute in Ohio, North Carolina, Missouri, Florida und Illinois. Bei den Demokraten wird sich in den nördlichen Bundesstaaten zeigen, ob Bernie Sanders das Rennen noch einmal spannend machen kann. Bei den Republikanern heißt es wieder: Alle gegen Trump.

Anders als bei den letzten Vorwahlen dürfte dieses Mal jedoch eine Vorentscheidung fallen. Für Trump, aber auch bei zwei seiner Verfolger. Für Kasich und Rubio geht es heute Abend um Alles oder Nichts. Der Grund für die Dramatik: Heute wird unter anderem in Ohio und Florida gewählt. In diesen beiden Staaten werden nicht nur sehr viele der begehrten Delegiertenstimmen vergeben, sondern sie werden nach dem Winner-Take-All-Prinzip verteilt. Wer in diesen beiden Staaten gewinnt, gibt seiner Kampagne richtig Schub. 

Würde Donald Trump beide Staaten für sich gewinnen, hätte er beste Chancen bis zum Ende der Vorwahlen die nötigen 1.237 Stimmen für die Nominierung auf dem republikanischen Parteitag zusammen zu bekommen. Auch deshalb hat das moderate Establishment der Partei im Vorfeld noch einmal alles gegen ihn in die Waagschale geworfen. Noch spannender wird das Rennen jedoch dadurch, dass es sich bei Ohio und Florida um die Heimatstaaten von John Kasich und Marco Rubio handelt. Beide gehen also mit Standortvorteil in diese Wahlentscheidung. Für beide heißt dies aber auch: Sollten sie selbst ihren Heimatstaat nicht gewinnen, dürfte ihre Kampagne am Ende sein.

Von daher lohnt sich heute der Blick auf folgende vier Dinge:

1. Ohio: Hier schließen die Wahllokale als erstes. Die letzten Umfragen versprechen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen John Kasich und Donald Trump. Sollte Trump hier gewinnen, ist die Wahlkampagne des Gouverneurs vorbei, dies hat er bereits vor Wochen versprochen. Was jedoch für Kasich spricht ist nicht nur der Trend, sondern auch ein Wahlaufruf von Marco Rubio an seine Anhänger: Wer ihn in Ohio unterstützen wolle, soll Kasich wählen. Ein Gefallen, der übrigens in Florida nicht erwidert wurde.

2. Florida: Alles andere als ein Sieg von Donald Trump wäre hier eine Sensation. Zwar hat Marco Rubio in den vergangenen Tagen und Wochen nochmal Boden gut gemacht, aber nach wie vor führt Trump zweistellig in den Umfragen. Eine echte Hypothek für den Senator dürften die zahlreichen Briefwahlstimmen werden, die hier schon vor Wochen abgegeben wurden als die Umfragen noch besser für Trump standen. Verliert Rubio, wird er seine Kampagne in den kommenden Tagen beenden müssen. Zwar gab es Überlegungen, ob er bei einer Kasich-Niederlage in Ohio nicht als einziger verbliebener moderater Kandidat weitermachen könne, aber das scheint Wunschdenken zu sein. Spätestens die ausbleibenden Spendengelder würden diese Überlegungen beenden.

3. Trump: In den vergangenen Tagen stand Trump so sehr unter Feuer wie lange nicht. Seine Wahlveranstaltungen, die mehr und mehr aus dem Ruder laufen, haben ihn in Erklärungsnot gebracht. Bei den beiden kleinen Vorwahlen in Wyoming und Washington D.C. am vergangenen Wochenende hat er zudem mit 7 und 14 Prozent ungewohnt schlecht abgeschnitten. Trump hatte unlängst behauptet, er könne jemanden auf dem Times Square erschießen, ohne dass dies Auswirkungen auf sein Wahlergebnis habe. Heute wird sich zeigen, ob er sich Prügelattacken seiner Anhänger leisten kann.

4. Illinois: Zwar darf sich Hillary Clinton heute Abend relativ sicher sein, die demokratischen Vorwahlen in Florida und North Carolina zu gewinnen, aber gerade in Ohio und Illinois könnte es eng werden. Dort hatte in den letzten Umfragen Bernie Sanders die Nase leicht vorne. Sollte er diese Staaten gewinnen, könnte dies seiner Kampagne nochmals ein wenig Schwung verleihen. An seinem Grundproblem freilich ändert sich nichts: Schafft er es nicht, für Schwarze und Latinos attraktiver zu werden, hat er wenig Chance, Hillary Clinton landesweit in die Defensive zu bringen.

tl;dr: An diesem Dienstag wird es bei den Vorwahlen in den USA richtig spannend. Bei den Demokraten wird sich zeigen, ob Bernie Sanders das Rennen noch einmal spannend machen kann. Bei den Republikanern heißt es wieder: Alle gegen Trump.

Donnerstag, 10. März 2016

US-Vorwahlen: Das Ungeheuer von Loch Ness

Nur der Rüssel eines Elefanten?
Seit dem Super Tuesday am 1. März haben die Republikaner in acht weiteren Bundesstaaten gewählt. Am Wochenende in Kansas, Maine, Kentucky und Louisiana. Vorgestern in Mississippi, Michigan, Idaho und Hawaii. Nach seinen Vorwahlsiegen vom Wochenende in Kansas und Maine hatte Ted Cruz seine beiden Mitbewerber Marco Rubio und John Kasich aufgefordert, ihre Kandidatur zu beenden. Stattdessen sollten sie ihn unterstützen um Trump noch zu verhindern. Soweit so klar.

Dass Donald Trump diese Forderung von Cruz unterstützt, erscheint dabei zunächst schon sonderbarer. Doch auch Trump wünscht sich mittlerweile ein kleineres Kandidatenfeld. Hatte ihm die Zersplitterung der Partei anfangs genutzt, könnte sie für ihn nun zu einem echten Problem werden. Denn wenn weiterhin vier Kandidaten im Spiel bleiben, könnte es passieren, dass Trump am Ende zwar vorne liegt, aber über keine absolute Mehrheit auf dem Parteitag der Republikaner verfügt. Es käme zu einer sogenannten "Brokered Convention", einem Parteitag, auf dem die Kandidatur ausgefochten werden muss. 

Zwar sind die meisten Delegierten verpflichtet für den Kandidaten zu Stimmen, dem sie nach den Vorwahlen zugeordnet sind, aber dies eben nur im ersten Wahlgang. Erreicht dabei kein Kandidat eine absolute Mehrheit, wird die Verpflichtung aufgehoben und der Kampf beginnt. Das letzte Mal, dass so etwas passiert ist, liegt schon lange zurück. Im Jahr 1952 konnten sich die Demokraten erst im dritten Wahlgang auf einen Präsidentschaftskandidaten einigen, zwei Wahlgänge brauchten die Republikaner im Jahr 1948. Entsprechend nennt die Washington Post die Brokered Convention das Ungeheuer von Loch Ness der amerikanischen Politik: "Wir haben alle die Legenden gehört, aber kaum einer hat es je gesehen."

Trotz aller Unsicherheiten weiß Trump: Sollte es dazu kommen, hat er eigentlich keine Chance mehr. Erzielt er vor dem Parteitag keine Mehrheit bei den Delegierten, übernimmt das Establishment die Regie. Auch für Ted Cruz könnte es dann eng werden, während die Kandidaten der gemäßigten Republikaner wohl nur noch auf diesen Fall hoffen dürfen.

So steht es derzeit um die Kandidaturen:

Donald Trump: Die republikanische Partei ist spät aufgewacht, aber seitdem Trump am Super Tuesday die meisten Staaten gewinnen konnte, kritisiert ihn das Parteiestablishment mit aller Härte. Zudem ist Trump an diesem Tag in Ted Cruz ein klarer Verfolger erwachsen. Beides führt dazu, dass Trump in den Umfragen zwar weiter vorne liegt, aber seine Werte auch nicht mehr wachsen. 
Für Trump ist es unerlässlich, bereits vor dem republikanischen Parteitag eine absolute Mehrheit der Delegierten hinter sich zu versammeln. Dazu muss er nun neue Wählerschichten erschließen. Dass er das kann, hat er bei den wichtigen evangelikalen Wählern gezeigt, bei denen er Ted Cruz abgehängt hat. Diesmal muss er jedoch gemäßigtere Republikaner dazu gewinnen, weshalb er in dieser Woche bereits einige seiner extremen Positionen deutlich verändert hat: Anders als in der letzten TV-Debatte, gibt er sich so beim Thema Folter deutlich moderater. Die Kunst wird sein, bei diesem Schwenk seine wütende Basis nicht zu verlieren.

Ted Cruz: Der Texaner hat ohne Frage Momentum. Mit nun insgesamt sieben Vorwahlsiegen hat er bewiesen, dass sein Erfolg in Iowa kein One-Hit-Wonder war. Er ist nun der klare Verfolger von Donald Trump und wohl der einzige der den New Yorker Geschäftsmann bei den Delegiertenstimmen noch überholen könnte. Dabei ist er mit seinen ultrakonservativen Positionen aber alles andere als der Wunschkandidat der moderateren Parteiführung. 
Cruz wird versuchen, sich auch beim republikanischen Establishment als letzte Alternative zu Trump zu verkaufen. Seine beiden gemäßigten Konkurrenten muss er dafür aus dem Feld drängen. Dabei helfen könnten ihm Niederlagen von Rubio und Kasich in ihren Heimatstaaten Florida und Ohio. Sein Problem: Sollten diese Winner-Take-All-Staaten an Trump fallen, wächst dessen Vorsprung bei den Delegierten beachtlich.

Marco Rubio: Er ist der Verlierer der letzten Vorwahlen - schon wieder. Zwar konnte er nach dem kleinen Caucus in Minnesota nun auch die Vorwahl auf Puerto Rico für sich entscheiden, aber sein frühes Debattendesaster in New Hampshire hat ihn nachhaltig aus dem Tritt gebracht. Beim Versuch sich als erster Verfolger von Trump zu profilieren, unterliefen ihm immer wieder Fehler. Zuletzt hatte er sich bei seinen Angriffen auf Trump auf dessen Niveau ziehen lassen, indem er über die Größe von Händen im Vergleich zu anderen Körperteilen spekulierte. Auf diesem Feld musste er verlieren.
In den Medien wird seit Tagen über das Ende von Rubios Kampagne spekuliert. Einige seiner Berater sollen ihn drängen noch vor Florida hinzuwerfen, um eine unnötige Blamage in seinem Heimatstaat zu vermeiden. Sollte ihm dort gegen jede Erwartung doch noch die Wende gelingen, könnte dies ein dringend benötigter Schub sein. Trotzdem wird er Trump wohl kaum mehr bei der Anzahl der Delegierten schlagen können. Sein Ziel dürfte es sein, sein ramponiertes Image als Hoffnungsträger des Establishments noch vor der Convention der Republikaner wieder aufzupolieren.

John Kasich: Da es bei den Vorwahlen nicht nur um Siege geht sondern auch darum, Erwartungen zu übertreffen, läuft es derzeit gut beim Gouverneur von Ohio. Nach einer starken Fernsehdebatte, bei der er sich als der einzige Erwachsene auf der Bühne inszeniert hat, überrascht seine kleine Kampagne derzeit mit sprunghaft steigenden Zustimmungswerten. Er ist drauf und dran, Marco Rubio landesweit vom dritten Platz zu verdrängen, bei den Vorwahlen am vergangenen Dienstag in Michigan und Mississippi ist ihm dies bereits gelungen.
Kasich hat zwar keine Chance mehr, direkt nominiert zu werden, aber das plant sein Team auch nicht. Vielmehr versucht er im Rennen zu bleiben, Marco Rubio zu überleben und so auf einem Parteitag mit unklaren Mehrheitsverhältnissen der Kandidat der gemäßigten Republikaner zu sein. Dazu muss er am nächsten Dienstag jedoch seinen Heimatstaat Ohio gewinnen. Die neusten Umfragen zeigen, dass dies durchaus möglich ist. Dabei profitiert er von Rubios Schwäche.

Mitt Romney: Obwohl er nicht zur Wahl steht, fällt sein Name in letzter Zeit wieder häufiger wenn es um republikanische Präsidentschaftskandidatur geht. Mit einer knallharten Angriffsrede auf Donald Trump, bei der er trotzdem über der Gürtellinie blieb, hat er landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Nun wird spekuliert, ob er der Kompromisskandidat sein könnte, wenn die Vorwahlen keinen klaren Sieger liefern. Es bleibt spannend.

tl;dr: Ergeben die Vorwahlen bei den Republikanern keinen klaren Sieger, droht eine "Brokered Convention". Diese sei das Ungeheuer von Loch Ness der amerikanischen Politik, schreibt die Washington Post, jeder habe davon gehört, aber kaum einer es gesehen. Dieses Mal könnte es soweit sein.

Freitag, 4. März 2016

Warum Trump?

Gewonnene Vorwahlen: Trump (rot), Cruz (gelb), Rubio (grün).
Dieser Tuesday war für die republikanische Partei alles andere als super. Warum Trump dennoch gewählt wurde, was am Super Tuesday sonst noch passiert ist und wie es nun weiter geht:

Wer Donald Trumps Erfolg verstehen will, muss Amerikas Vorwahl- und Parteiensystem begreifen. Zunächst sind Vorwahlen nicht in jedem Staat geschlossene Parteiveranstaltungen. Bei offenen Vorwahlen und den sogenannten semi-offenen und semi-geschlossenen Varianten dürfen auch Bürger mit entscheiden, die sich nicht zur Partei bekennen. Doch auch geschlossene Vorwahlen sind nicht unbedingt exklusiv.

Denn anders als in Europa sind Parteien in den USA keine festen Organisationen, sondern lockere Zusammenschlüsse. Es gibt kein Programm und keine Verstöße gegen selbiges, keine Ortsverbände oder Mitgliedsausweise. Eine Mitgliedschaft muss man nicht beantragen, man lässt sich vielmehr bei der Wählerregistrierung (auch anders als bei uns) einfach als Republikaner oder Demokrat eintragen. Das ist alles. Und genau das macht das amerikanische Parteiensystem anfällig für große Veränderungen.

Ein Beispiel für ein solches sogenanntes Realignment: Bis in die 1964 waren die amerikanischen Südstaaten eine Hochburg der Demokraten, da die Republikaner als Partei von Abraham Lincoln als unwählbar galten. Erst durch die Bürgerrechtspolitik der Kennedy-Regierung wurden die konservativeren Republikaner für viele Südstaatler zu einer Alternative. In der Folge verließen viele der konservativeren Südstaatendemokraten ihre Partei. Heute ist der Süden fest in der Hand der Republikaner.

Von dieser lockeren Bindung zwischen Partei und Mitglied profitiert derzeit Donald Trump. Seine Wähler sind in der Vielzahl weiße Männer ohne Collegeabschluss, sie sind wütend auf Washington und die Medien und erhoffen sich von Trump, dass er diese Strukturen auf- oder zerbricht. Anders als hierzulande, wo man diese Wutbürger auch kennt, können sie in den USA deutlich einfacher direkten politischen Einfluss ausüben. Auf diese Weise kann Trump auf viele Bürger zurückgreifen, die sich bisher nicht politisch engagiert haben. Menschen, die sich das erste Mal als Wähler registriert haben oder schon lange nicht mehr wählen waren, sorgen jetzt für Wahlbeteiligungsrekorde.

Ihre Stimmung kanalisiert Trump. Die republikanische Partei ist für ihn dabei nur ein Gefäß, keine ideologische Heimat. Und genau deshalb reagiert das republikanische Establishment so entsetzt auf seine Ergebnisse. Dass Trump selbst seit 2009 als Republikaner registriert ist, wird sie dabei nicht beruhigen. Zuvor war er bereits Mitglied der Independence Party und der Demokraten. Sollte er gegen Hillary Clinton um die Präsidentschaft kämpfen, gäbe es zudem erstmals einen Kandidaten, der seinen Gegner früher mit Spenden bedacht hat.

Dass Hillary Clinton in einem solchen Duell seine Gegnerin würde, ist seit Dienstag fast fix. Wenn kein Skandal dazwischen kommt, dürfte ihr die Präsidentschaftskandidatur nicht mehr zu nehmen sein. Das hat mehrere Gründe: Bernie Sanders hat es auch bei dieser Vorwahl nicht geschafft, seine Wählerbasis zu verbreitern. Bei Latinos und Schwarzen, den immer wichtigeren Zielgruppen bei Präsidentschaftswahlen, verfängt seine Botschaft nicht. Das ist für ihn ein doppeltes Problem: Zum einen hat er bei den Vorwahlen im Süden der USA kaum eine Chance zu gewinnen, zum anderen traut man ihm ohne die Fähigkeit, neue Wählerschichten zu erschließen, keinen Sieg bei der Wahl im November zu. Hillary Clinton hingegen wird ihm in ihrer Sprache und bei den Themen immer ähnlicher und hat es geschafft, in seine Wählerklientel einzubrechen. Auch wenn sich Sanders über Siege in vier Bundesstaaten freuen durfte, schnitt er so am Super Tuesday schlechter als erwartet ab. Im liberalen Massachusetts, immerhin in der Nachbarschaft seiner Heimat Vermont, musste er sich Clinton geschlagen geben.

Bei den Republikanern ist das Bild nach Super Tuesday längst nicht so klar: Neben Trump, der sieben Vorwahlen für sich entscheiden konnte, darf sich vor allem Ted Cruz als Gewinner fühlen. Dem Senator gelangen Siege in Alaska, Oklahoma und seiner Heimat Texas. Er forderte seine Mitbewerber auf, ihre Kandidaturen zu beenden, ihn zu unterstützen und dann gemeinsam Trump zu schlagen. Sein Problem: Als evangelikaler Tea-Party-Vertreter gehört auch er nicht zu den Kandidaten, die sich der traditionelle Republikaner wünscht.

Dass mit Ben Carson der andere Evangelikale im Bewerberfeld seine Kandidatur, nach einen für ihn desaströsen Super Tuesday, beendet hat, könnte ihm jedoch nutzen. Dass ihm Marco Rubio oder John Kasich denselben Gefallen tun, darf man hingegen ausschließen. Beide konnten am Wahltag auf kleine Erfolge verweisen, die sie bestärken, bis zum 15. März - wenn in ihren jeweiligen Heimatstaaten gewählt wird - durchzuhalten. 

Kasich eroberte in Vermont und Massachusetts jeweils den zweiten Platz. In Vermont lieferte er sich dabei sogar ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Donald Trump. Die beiden trennten am Ende nur etwa 1.500 Stimmen. 

Marco Rubio dürfte sich hingegen über Kasich geärgert haben: In Virginia, wo sich seine Kampagne gute Chancen ausgerechnet hatte, musste er sich Donald Trump mit weniger als drei Prozentpunkten geschlagen geben. Kasich erzielte dort 9,4 Prozent. Ohne ihn, so die Rechnung des Rubio-Teams, hätte der Senator den New Yorker Geschäftsmann klar geschlagen. Das Manko, noch keinen Staat gewonnen zu haben, konnte Rubio trotzdem loswerden. Er sicherte sich die Vorwahl in Minnesota.

Auch wenn der Super Tuesday vorbei ist: In den kommenden Tagen gibt es einen engen Terminplan. Beide Parteien wählen in Kansas, Louisiana, Maine, Michigan und Mississippi. Die Republikaner zudem in Kentucky, Puerto Rico, Idaho, Washington D.C. und auf Hawaii und Guam, die Demokraten in Nebraska und auf den Nördlichen Marianen. Um den nächsten richtig großen Preis geht es aber erst am 15. März, wenn beide Parteien in Illinois, Missouri, North Carolina, Ohio und Florida wählen (die Republikaner zudem auch auf den Nördlichen Marianen).

Vieles wird an diesem Tag von den Ergebnissen in Florida und Ohio abhängen. Beide Staaten sind bei diesen Vorwahlen enorm wichtig. Dafür gibt es zwei Gründe: Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen hat sich gezeigt, dass man ohne Siege in Ohio und Florida - zwei klassische Swingstates - nicht gewinnt. Wer die Wähler hier jetzt nicht überzeugt, muss das bis November ändern. Aber auch bei diesen Vorwahlen könnten Florida und Ohio entscheidend sein, denn beide sind bei den Republikanern sogenannte Winner-Take-All-Staaten.  

Das bedeutet: Der Gewinner der Vorwahlen erhält alle Delegiertenstimmen für die National Convention. In vielen Staaten werden diese Stimmen je nach Wahlergebnis (fast jeder Staat hat dabei seine eigenen Regeln) aufgeteilt. Unter denen, die nur den Gewinner honorieren, gehören Ohio und Florida dabei zu den dicksten Fischen. Für Trump wären diese Delegierten ein riesiger Schritt zum Sieg bei den Vorwahlen. 

Da die beiden Staaten aber jeweils auch die Heimat eines Trump-Herausforderers sind, ist dies auch für "The Donald" kein Selbstläufer. Während die Umfragezahlen von Marco Rubio in Florida bislang allerdings mau aussehen, könnte Kasich tatsächlich der einzige Kandidat sein, der Trump in Ohio gefährlich werden könnte.

tl;dr: Dieser Tuesday war für die republikanische Partei alles andere als super. Warum Trump dennoch gewählt wurde, was am Super Tuesday sonst noch passiert ist und wie es nun weiter geht.

Montag, 29. Februar 2016

Super Tuesday vor der Tür

Wahlkampf im House of Pancakes.
Mit der Primary der Demokraten endeten am Wochenende die Vorwahlen in South Carolina und Nevada, die vor einer Woche mit der republikanischen Vorwahl begonnen hatten. Es waren die dritte und vierte Vorentscheidung auf dem Weg zur Nominierung der Präsidentschaftskandidaten. Beide Vorwahlen konnten Hillary Clinton und Donald Trump für sich entscheiden.

Beide gehen deshalb mit Momentum, also besonderem Schwung, in den wichtigen Super Tuesday. An diesem Dienstag, dem 1. März, wählen beide Parteien in Alabama, Arkansas, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont und Virginia. Bei den Republikaner stehen zudem Vorwahlen in Alaska, bei den Demokraten die in Colorado an. Bisher hat dieser Tag immer für eine Vorentscheidung gesorgt, auch wenn in diesem Monat noch ein weiterer Superwahltag ansteht: Am 15. März wählen Illinois, Missouri, North Carolina und die beiden für Präsidentschaftswahlen wichtigen Staaten Ohio und Florida. Während es so aussieht, dass das republikanische Rennen noch mindestens bis zum 15. März weitergehen wird, könnte das der Demokraten bereits an diesem Dienstag enden. 

Hillary Clinton hat nach ihrem überraschend knappen Sieg in Iowa und der Niederlage in New Hampshire alles richtig gemacht: Sie hat vor dem Caucus in Nevada tiefgestapelt. Anhand der schrumpfenden Umfragewerte hat sie so getan, als ob eine erneute Niederlage ihr nicht wehtun würde. Während Bernie Sanders redete, als stünde sein Sieg kurz bevor. Clintons Erfolg war mit 52,5 Prozent zwar knapp, aber auf diese Weise deutlicher als gedacht. In South Carolina, wo sie bereits vorher Favorit war, hat sie Sanders nun mit 73,5 Prozent der Stimmen hinweggefegt. Die Basis dieses Erfolges waren die schwarzen Wähler, unter denen sie sogar 86 Prozent der Stimmen erreichte. Dies alles lässt bei vielen starke Zweifel daran aufkommen, ob Sanders über die nötige Unterstützung verfügt, um diese Vorwahlen oder gar die Präsidentschaftswahlen für sich zu entscheiden. Hillary Clinton hat das Momentum.

Auch bei den Republikanern gibt es seit dieser Woche einen unangefochtenen Frontrunner: Donald Trump. Er hat, ebenso wie Hillary Clinton, eine Umfragemehrheit in den meisten der Super-Tuesday-Staaten. Trotzdem dürften sich die Reihen seiner Mitbewerber auch nach Dienstag nicht wesentlich lichten. Die Gründe dafür sind ganz individuell:

1. Marco Rubio: Er bleibt, denn er ist die größte Hoffnung des republikanischen Establishments um Trump noch zu stoppen. Zwar bleibt auch John Kasich im Rennen, doch Rubios Umfragezahlen sind in den meisten Staaten deutlich besser. Ob er jedoch in der Lage ist, tatsächlich auch Mehrheiten zu gewinnen, muss Rubio erst noch beweisen. Selbst in seinem Heimatstaat Florida, in dem jedoch erst am 15. März gewählt wird, liegt er in Umfragen deutlich hinter Trump. Dies könnte eine schwere Hypothek für ihn werden. In dieser Woche setzt er seine Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden in Virginia.

2. Ted Cruz: Der Senator kann, anders als sein Amtskollege Rubio, auf seinen Heimatstaat zählen und bleibt deshalb im Rennen. In Texas, wo am Dienstag die meisten Delegiertenstimmen vergeben werden, liegt er in Umfragen vor Trump. Jedoch hat der Überraschungssieger von Iowa, je weiter man nach Norden kommt, deutlich schlechtere Umfragewerte. Ob er landesweit eine Mehrheit gegen Trump organisieren kann, bezweifeln viele. Nach dem Ausscheiden von Jeb Bush wurde Cruz zudem zum neuen Lieblings-Punchingball von Donald Trump, der ihm - wo er nur kann - Lügen und Schmutzige Tricks vorwirft. Seine evangelikalen Stammwähler hat ihm Trump in South Carolina auf diese Weise bereits abspenstig gemacht.

3. Ben Carson: Weshalb der ehemalige Neurochirurg mit der sanften Stimme noch im Rennen ist, erschließt sich kaum jemandem. Carson liegt in allen Vorwahlstaaten abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Bei keiner der bisherigen Vorwahlen konnte er zweistellige Ergebnisse erzielen und es sieht auch nicht so aus, als ob sich das am Super Tuesday ändert.

4. John Kasich: Glaubt man aktuellen Umfragen, ist der Gouverneur von Ohio der einzige republikanische Bewerber, der Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl schlagen könnte. Dies dürfte ihm Mut machen, auch nach dem Super Tuesday weiterzumachen. Anders als Carson, mit dem er sich bislang die hinteren Plätze teilt, kann Kasich auf einen starken zweiten Platz in New Hampshire verweisen. Am Dienstag kann er auf gute Ergebnisse in Vermont und Massachusetts hoffen. Sie könnten ihm Rückenwind für den 15. März geben, wenn sein Heimatstaat Ohio wählt. Dort liefert er sich in den Umfragen ein Kopf an Kopf Rennen mit Trump. Kasich hat angekündigt, im Falle einer Niederlage in Ohio seine Kandidatur zu beenden.

Diese Zersplitterung des republikanischen Bewerberfeldes, da sind sich fast alle einig, spielt Donald Trump auch weiter in die Hände. Allerdings könnte es, wenn es Trump nicht gelingt, über die Hälfte aller Delegiertenstimmen für sich zu gewinnen, dazu kommen, dass die Entscheidung erst auf dem Parteitag der Republikaner fällt. Nachdem die meisten Delegierten im ersten Wahlgang verpflichtet sind, für den jeweiligen Kandidaten zu stimmen (pledged delegates), fällt diese Bindung in den weiteren Wahlgängen weg. Sollte es dazu kommen, sinken Trumps Chancen rapide. Auch dies dürfte eine Hoffnung sein, die viele Kandidaten im Rennen hält.  

tl;dr: Am Dienstag ist Super Tuesday. Danach könnte Hillary Clinton bereits als Präsidentschaftskandidatin feststehen. Bei den Republikanern dürfte das noch dauern, denn es sind zu viele Kandidaten im Rennen.